Hallo zusammen,
derzeit wird das Tokina 10-17 bei uns ja heiß diskutiert. Aus diesem Grund habe ich mit Wims Einverständnis seinen Beitrag im panoguide-Forum für uns übersetzt. Hier also Wims Vorgehensweise zur Ermittlung eines möglichst breit nutzbaren Schärfepunktes. Wir werden sicherlich drüber diskutieren...
Hier noch der originale Thread:
http://www.panoguide.com/forums/tipsntricks/4940/Gruß Martin
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Schauen (oder besser lesen)wir also, was Wim
Koornneef (www.dmmdh.nl) schreibt:Hallo Forum,
es ist nicht einfach, ein Fischaugen-Objektiv richtig scharf zu stellen. Zwar wissen wir, daß die Unendlich-Einstellung nicht sinnvoll ist - aber die richtige Einstellung kennen wir damit noch nicht. Wie für viele andere auch, war es für mich immer eine schwierige Aufgabe, die korrekte Einstellung für meine FE-Objektive und speziell das rasierte Tokina 10-17 zu finden.
Ein Problem dabei ist, daß die Fokusebene eines FE-Objektives nicht für alle Eintrittswinkel konstant ist. Praktisch bedeutet dieses, daß zwei Objekte im gleichen Abstand zum Objektiv, eines direkt vor dem Objektiv, das andere im Nadir, unterschiedliche Fokussierdistanzen erfordern.
Also scheint ein Objekt im Nadir näher zu sein, als es tatsächlich ist. Das ist eigenartig, aber ein Fischeye ist halt was Eigenartiges.
Das Tokina 10-17 mm teilt diese Problematik mit dem Nikon 10.5, beide Objektive sind anders aufgebaut als andere Fisheyes, wie das Sigma 8mm oder das Peleng 8mm. Diese Objektive sind weniger von der Fokussierebenen-Problematik betroffen.
Neben dem Fokusebenen-Problem gilt es eine weitere Besonderheit von Zoomobjektiven zu betrachten, der Abhängigkeit der Schärfentiefe von der gewählten Brennweite. Die Schärfentiefe variiert deutlich bei Einstellungen von 10 und 17mm.
Dieser Rechner zeigt uns viel über die Schärfentiefe von allen Objektiven. Teste ihn mal und spielt damit, du gewinnt so einige Einsichten über Schärfentiefe und Hyperfokaldistanzen von Objektiven:
www.dofmaster.com/doftable.htmlÜbrigens, falls du einen MAC hast, könnte dieses Widget interessant sein.
i360.tv/DOFC_widget_en
Da ein Fisheye eine ziemlich eigene Sache ist, ist der Rechner für solche Objektive nicht zu 100% korrekt, lediglich für Objekte exakt vor dem Objektiv, für alle anderen Winkel ist er nicht genau. Trotzdem ist der Rechner eine schöne Einführung, um ein besseres Verständnis für Hyperfokaldistanz und Schärfentiefe zu bekommen. Damit ist er ein guter Startpunkt für unsere Experimente.
Mein Ziel war es, eine einfache "passt-immer-Einstellung" für das Tokina 10-17 zu ermitteln. Nach einigen Versuchen habe ich eine Einstellmethode herausgefunden, die wiederholbar ist und bei mir funktioniert. Und ich denke, sie könnte bei euch auch funktionieren.
Hier ist sie:
1) Ich baue meine Ausrüstung (NN5 + EOS 5D) auf ein Stativ vor einer Mauer im Abstand von etwa 1,15m (Mauer-Sensorebene) auf. Das Stativ wird auf die von mir verwendete minimale Höhe von 1,5m eingestellt.
2) Ich stelle die Brennweite auf 17mm, schalte den Autofokus ein und drücke den Auslöser halb durch. Die Kamera bestimmt die Fokuseinstellung und quittiert mit einem Signalton.
3) Nach dieser ersten Einstellung drücke ich den Auslöser noch mehrmals halb durch. Währenddessen prüfe ich, ob sich die Entfernungseinstellung nicht verstellt oder der Fokus orientierungslos hin- und herjagt. Passiert das, können Kontrast und/oder Beleuchtung der Wand unzureichend sein. Mehr Licht und eine Zeitung oder eine Zeitschrift an der Wand beheben das Problem.
4) Wenn ich mir sicher bin, den richtigen Fokuspunkt gefunden zu haben, schalte ich den Autofokus ab und fixiere den Entfernungsring mit einem Klebestreifen.
5) Das war´s, die Arbeit ist getan.
Dieses einfache Vorgehen ergibt reproduzierbare Ergebnisse und es funktioniert. Ich bekomme bei allen Brennweiten von der Bildmitte bis zum Rand scharfe Bilder!
Natürlich hängt die Schärfentiefe von der richtigen Wahl der Blende ab, hier einige Werte:
@10 mm - minimale Einstellung Blende f6.3
@11 mm - minimale Einstellung Blende f7.1
@12,4 - minimale Einstellung Blende f8
@14,6 - minimale Einstellung Blende f11
@17 - minimale Einstellung Blende f13
Wenn ich durchgehend f13 benutze, kann ich mit allen möglichen Brennweiten fotografieren und erhalte immer von der Mitte bis zum Rand scharfe Bilder.
Für mich ist das wichtig. denn wenn ich die Brennweite wechsle, muß ich mich nicht um die Fokussierung sorgen, sondern kann mich um andere Dinge kümmern.
Noch eines, für den beschriebenen Test richte ich den NN5 waagerecht aus und überprüfe die Schärfentiefe mit einer um 25mm vor den NPP versetzten Kamera und einer brennweitenabhängigen Neigung (0 - -20 Grad) des oberen Arms. Der Grund für die Neigung und den Versatz zum Nodalpunkt ist,daß so der Nadir auf das Bild kommt. Das ist der Bereich, der am meisten von der Schärfeproblematik betroffen ist.
Ich hoffe, dieses Vorgehen ist für euch hilfreich.Ich denke, mit einem Nikon 10,5 läßt sich das ähnlich machen, dann mit einer Blende von f6,3.
Best,
Wim.
PS:
Ich rechne schon mit eurer Frage: warum wählt er einen Abstand von 1,15m zur Wand?
Die Antwort: Ich habe Tests in einem Abstandbereich von einem Meter bis zu 1,8m durchgeführt. Beim Vergleich der Resultate lieferte dieser Abstand die besten Ergebnisse. Mit 1,15m ist die Schärfentiefe über alle Kombinationen von Brennweite und Blende am besten.